Meine Motivation

Für Politik habe ich mich seit meiner Jugend interessiert und diese verfolgt. In meiner ersten Wahrnehmung von Politik in meiner Kindheit sah ich Willy Brandt damals noch im Schwarz-Weiß-TV. Die Inhalte seiner Reden und die Grundzüge seiner Politik habe ich altersbedingt damals nicht hinreichend wahrgenommen, wusste aber dass er Bundeskanzler war. Irgendwann kam die Nachricht seines Rücktritts, deren Konsequenzen mir damals noch nicht verständlich waren. Es hieß als Begründung, dass es wegen der Affäre eines Spions im Kanzleramt geschehen sei. Dass dies aus eigenem Antrieb und Courage geschehen ist, wurde mir erst viel später bewusst.
Ein Motto von Willy Brandt wurde prägend für jene Zeit des Aufbruchs:
"Mehr Demokratie wagen".

Anschließend, während der Schulzeit bis zur allgemeinen Hochschulreife, war die Politik geprägt von Helmut Schmidt, dessen Amtszeit weitestgehend von Krisen und deren Bewältigung geprägt war. Seine Abwahl schien mir derzeit überraschend, doch aus heutiger Sicht logisch und konsequent. Seine politische Leistung und außerordentliche Bedeutung bleiben aus meiner Sicht hiervon unberührt. Einigen Punkten seiner politischen Haltung kann ich nicht zustimmen (Umweltschutz, Klimaschutz und Sozialgesetzgebung).
Ein Charakteristikum seiner Person war, in einer Notsituation (Flutkatastrophe in Hamburg 1962) umfassend notwendig zu handeln, um Menschenleben zu retten, auch wenn formal die Einhaltung sämtlicher Regeln nicht gegeben war.
Ein markanter Satz von ihm war: "Wer Visionen hat, sollte lieber gleich zum Arzt gehen"
Dieser Ausspruch ist mir im Gedächtnis geblieben.

Die anschließende Zeit unter der Kanzlerschaft von Helmut Kohl war aus meiner damaligen Sicht wenig progressiv, stattdessen beharrlich konservativ. Im Wesentlichen war dies aus heutiger Sicht eine Fortsetzung der Politik Helmut Schmidts. Das Festhalten an der Atomkraft stellt für mich immer noch einen großen Fehler dar. Nicht einmal die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 hat zu einem Umdenken geführt.
Die staatliche Wiedervereinigung beider deutschen Staaten 1990 ist aus heutiger Sicht ein persönlicher Verdienst Helmut Kohls. Es war ein Handeln zum richtigen Zeitpunkt. Aus heutiger Sicht und durch die historische Perspektive hat es dafür nur ein begrenztes Zeitfenster gegeben. Die fehlende Anerkennung der Lebensleistung der Menschen in der DDR im Rahmen der Wiedervereinigung stellt sich heute als Fehler dar, der noch Auswirkungen bis in die Gegenwart hat.
Von ihm blieb der Ausspruch von "den blühenden Landschaften" - gemeint war der erwartete und gepredigte Wandel in der Ex-DDR durch wirtschaftliches Wachstum. 

Ein weiterer Eckpunkt meiner Wahrnehmung von Politik war die Rede von Richard von Weizsäcker als Bundespräsident zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1985, in der er erstmals als deutscher Spitzenpolitiker von einem "Tag der Befreiung" statt von einer Niederlage sprach.

Zu und mit den genannten vier Aussprüchen möchte ich folgendes formulieren:

"Mehr Demokratie wagen" von Willy Brandt soll für mich Politik mit mehr Bürgermitbestimmung auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie eine bessere Kommunikation zwischen Bürgern und Volksvertretern bedeuten. Durch eine engere Einbindung der Menschen in die Politik kann der drohenden und bereits begonnenen Spaltung der Gesellschaft entschieden entgegengewirkt werden.

Dem Satz von Helmut Schmidt möchte ich entgegenstellen: 
"Wer keine Vision hat, sollte der Politik fernbleiben".
Es muss - bezogen auf die letzten Jahre - eine bessere Politik als "Aussitzen und erst letztmöglich Handeln" geben. Besser ist ein Regieren statt "Zögern und Reagieren", denn dies führt schneller zu besseren Ergebnissen. Und die Zeit für wichtige Entscheidungen ist knapp.
Mein Motto ist: "Bewährtes erhalten, Fehler korrigieren, Zukunft gestalten!"

Und Helmut Kohls "blühende Landschaften" möchte ich gerne in Natur und Landwirtschaft in ganz Deutschland in Form kleinerer Flächen mit mehr Knicks und Blühstreifen finden. Denn Wandel der Landwirtschaft, der Wirtschaft und der Gesellschaft hin zur Nachhaltigkeit, Wirtschaftliche Leistung und Technische Innovation werden gebraucht, nicht jedoch auf Kosten von weiterer Klimaerwärmung, Zunahme von sozialem Ungleichgewicht und Verschwendung natürlicher Ressourcen zu Lasten künftiger Generationen.
Für die Menschen im gesamten Land wünsche ich, mehr Fairness und Zusammenhalt zu erreichen. 

Von Richard von Weizsäcker nehme ich die Sichtweise eines "Tages der Befreiung" an, verbunden mit der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg oder eine nationalsozialistische Herrschaft ausgehen soll. 

Denn wir tragen alle gemeinsam die Verantwortung für die deutsche Vergangenheit,
wir müssen zukünftig teilen und helfen für eine globale Gerechtigkeit, um dadurch ärmere Länder zu unterstützen, ohne ihnen die unzeitgemäße Doktrin von Wachstum aufzuzwingen.
Wir müssen eine Generationsgerechtigkeit erarbeiten und dürfen nicht mehr so handeln, als gehöre die Welt uns allein. Die nächsten Generationen Menschen und alle existierenden Lebensformen haben auch ein Recht auf anständige Lebensverhältnisse und eine intakte Welt.

Ich möchte Kommunikation zwischen Bürgern und Politik verbessern,
wirkliche Transparenz von Politik durchsetzen und
mehr und direkte Mitbestimmung von Bürgern in der Politik einführen.

This article was updated on Juli 20, 2021