Erster Kommentar zur Wahl

Nach meiner ersten Einschätzung zur Wahl gestern Abend folgt nun eine etwas eingehendere Bemerkung, für eine genauere Analyse fehlt noch die Datengrundlage.

Mein Wahlergebnis stellt erst einmal eine Verbesserung dar.
Mit 615 Stimmen ist eine Verdreifachung des Ergebnisses von 2021 erreicht.
          (2025: 615  + 403 gegenüber  2021: 212)
Aber
es gab nicht wenige Menschen, mit denen ich gesprochen hatte, welche zum Zeitpunkt des Gesprächs schon gewählt hatten ohne dass sie von meiner Kandidatur oder von meinen politischen Zielen im Detail gehört hätten. Einige bekundeten, sonst anders gewählt zu haben. Diese Mitbürger hatte ich medial nicht erreicht, ja erreichen können. 
Insgesamt entspricht es weder meinen gesteckten Zielen noch meinen Erwartungen, dies vor allem aber aufgrund fehlender Möglichkeiten öffentlicher Präsentation und Diskussion meiner politischen Ziele und Programmatik.

In der Braunschweiger Zeitung sind die "unwichtigen" Kandidaten, pauschal die der kleinen Parteien und Einzelbewerber erst kurz vor der Wahl in thematisch unterschiedenen Artikel zu Einzelthemen betrachtete worden. Zu beurteilen ob dies fair ist, überlasse ich den Leserinnen und Lesern dieses Posts.
Hierbei spielte die Vorauswahl durch vorgegebene Fragestellungen eine wesentliche Rolle.
Es gab nur Fragen zu den Themen finanzielle Entlastung von Familien, Rente, bezahlbarer Wohnraum, Braunschweig (allgemein und Wirtschaft) sowie Sicherheit in Deutschland [10]
Eine Kritik am uneingeschränkten Wachstum, die Einführung des Belohnungsprinzips bei der Besteuerung zum Erreichen von mehr Gerechtigkeit und einer zielgerichteteren Wirtschafts-Politik, eine stärkere Wichtung von Artenschutz/Erhalt der Biodiversität und Wege für eine wieder zuverlässige und pünktliche Bahn blieben so medial unberücksichtigt.

Zu Veranstaltungen mit Podiumsdiskussion, insbesondere auch der im Braunschweiger Kino Astor mit rund 1000 Schülern und Schülerinnen als Erstwähler (Alter 18 bis 22), hatte ich weder Informationen noch eine Einladung bekommen [1]. Den Organisatoren, Schüler und Schülerinnen, die dies organisiert hatten, kann man keinen Vorwurf machen. Denn in den öffentlich-rechtlichen Medien wurde zwar immer wieder auf Änderungen durch die Wahlrechtsreform und Hilfsmittel zur individuellen Findung der für unentschlossene Wählerinnen und Wähler richtigen Partei verwiesen (Wahl-O-mat [2] etc.), nicht aber auf Portale zum Vergleich angetretener Kandidaten.
Allein die Informationen zu Parteien (Zweitstimme) stand im Vordergrund, nicht aber Informationen zu allen Kandidaten und Kandidatinnen (Erststimme) je Wahlkreis (abgeordneten-watch [3] , wen-wählen.de[4]).

Bei der ersten Analyse von Erst- und Zweitstimmenergebnis in Braunschweig (Wahlkreis 50) komme ich zu dem Schluss, dass weiter oben stehende Kandidaten unabhängig von deren Programmatik eher gewählt worden sind als weiter unten stehende. Dies gilt insbesondere für Wähler von Parteien ohne eigenen Kreiswahlvorschlag. Dem hätte eine bessere Information vor der Wahl entgegen treten können können.

mögliche Erklärungen 
Mögliche Ursachen sind neben den ungünstigen Randbedingungen (kurzer Zeitrahmen, kurze Tage verbunden mit oft nassen, kalten wie unangenehmen Witterungsbedingungen und dadurch viel geringere Kommunikationsmöglichkeiten im öffentlichen Raum) auch eine nahezu vollständig fehlende Berücksichtigung in den öffentlichen Medien. Von der Braunschweiger Zeitung gab es sieben Fragen mit der Beschränkung der Kandidaten-Antwort auf 400 Zeichen, das entspricht etwa 4 Zeilen Text. Rein praktisch ist aus meiner Antwort zum Thema Ausstattung der Polizei eine Forderung nach besserer Ausstattung der Polizei geworden. Dies entsprach zwar meiner Antwort, aber spiegelt in keiner Weise die Schwerpunkte meiner Forderungen und politischen Programmatik wieder.

Meine Versäumnisse stellen eine zu schwache Organisationsstruktur zur Kommunikation und mangelnde Präsenz in den sozialen Medien (TikTok; Instagram-Videos) dar. Der Wahlkampf kam schlichtweg zu früh und für diese Aufgaben vorgesehene Personen standen zum Zeitpunkt der vorgezogenen Bundestagswahl nicht zur Verfügung.
Für den Entwurf und Druck von Flyern standen keine Mittel zur Verfügung. Gedruckte Infos  waren nicht selten gefragt, und so blieb nur die Improvisation durch Weitergabe von Flyern des vorherigen Wahlkampfs.

Vielleicht war auch die Frage, ob ich die angesprochenen Themen als einzelner Abgeordneter im Bundestag lösen zu könnte, eine Ursache.
Dass die Themen nun nicht in der von mir geforderten Dringlichkeit oder überhaupt auf die Tagesordnung der Bundespolitik kommen werden, sehe ich als sehr kritisch an.

Anlagen:
[1]     ndr.de: Erstwähler machen in Braunschweig den Kandidaten-Check; 07.02.2025
[2]     Bundeszentrale für politische Bildung: Wahl-O-Mat 
[3]     Gemeinnütziger Verein Parlamentwatch e.V.  abgeordnetenwatch.de 
[4]     Projekt von Alvar Freude und der Kesselgestalten oHG in Zusammenarbeit mit dem
         Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (FITUG e.V.)  Wen-waehlen.de 

[10]   Fragen BZ:
1. In welchem Ausschuss des Bundestages hätten Sie gerne einen Sitz?
2. Was können Sie im Bundestag für Braunschweig tun?
3. Wie können Familien finanziell entlastet werden?
4. Wie können die Renten gesichert werden?
5. Wie wollen Sie sicherstellen, dass es für jeden bezahlbaren Wohnraum gibt?
6. Wie wollen Sie die Zukunft der Wirtschaftsregion Braunschweig sichern?
7. Wie verbessern wir die Sicherheit in Deutschland?
8. Was ist in den nächsten Jahren die größte politische Herausforderung in Braunschweig?

This article was updated on Februar 25, 2025